Biografie



B I O G R A F I E

EDGAR REITZ, Filmemacher, Autor und Hochschullehrer. Geboren und aufgewachsen in Morbach im Hunsrück, Studium der Germanistik, Publizistik und Theaterwissenschaft in München. Seit Mitte der 1950er Jahre literarische Arbeiten, Beschäftigung mit der Avantgarde in Musik, Literatur, Bildenden Kunst und Film. Veröffentlichung von Gedichten und Herausgabe einer literarischen Zeitschrift, Gründung einer Studiobühne an der Universität München. Ab 1957 Kameramann und Regisseur von Industriefilmen und Dokumentarfilmen. Mitglied der „Oberhausener Gruppe“, die 1962 den deutschen Autoren-Film hervorbrachte. Gründung des „Instituts für Filmgestaltung“ an der Hochschule für Gestaltung in Ulm. An dieser ersten Filmschule der Bundesrepublik Deutschland lehrte Reitz acht Jahre lang Regie und Kamera. Sein erster Spielfilm MAHLZEITEN (Buch, Regie, Produktion), der 1967 bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wird, gehört zu den Debütfilmen, die 1966/67 den Begriff „Junger Deutscher Film“ prägen. 1967/68 Jurymitglied beim Experimentalfilmfestival in Knokke. 1968 Mentor eines Unterrichtsversuchs an Bayerischen Gymnasien mit Filmtheorie und -praxis, 1973 FILMSTUNDE, ein Dokumentarfilm über dieses Projekt. 1971 Gründung eines Kneipenkinos, in dem die Besucher anhand einer „Speisenkarte“ das Programm aus 23 KÜBELKIND-GESCHICHTEN (mit Ula Stöckl) und Filmen aus der Frühzeit des Kinos selbst zusammenstellen können. Mitte der 1960er Jahre Beteiligung an filmpolitischen Gemeinschaftsaktionen des Neuen Deutschen Films, Gründung der Arbeitsgemeinschaft Neuer Deutscher Spielfilmproduzenten. Zahlreiche Veröffentlichungen über Filmtheorie, Filmästhetik und Fragen der Zukunft der Filmkunst in Zeitschriften und Büchern. Es folgen weitere Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme, die internationale Beachtung finden und vielfach ausgezeichnet werden. Seit Mitte der 1970er Jahre zahlreiche Veröffentlichungen über Filmtheorie und Filmästhetik, aber auch Erzählungen, Essays, Lyrik und literarische Fassungen seiner Filme. 1995 Gründung des „Europäischen Instituts des Kinofilms, EIKK“ in Karlsruhe, das er bis 1998 leitet. Seit 1994 Professor für Film an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe.
Zu seinen wichtigsten Filmen zählen: CARDILLAC, DIE REISE NACH WIEN, DER SCHNEIDER VON ULM, STUNDE NULL und die weltbekannte HEIMAT-TRILOGIE, die sich aus 31 abendfüllenden Einzelfilmen zu einem Jahrhundert-Epos zusammensetzt und mit über 54 Stunden Spieldauer zu den umfangreichsten erzählerischen Filmwerken der Filmgeschichte zählt. Gemeinsam mit seinem Sohn Christian Reitz Gründung der Firma REITZ & REITZ MEDIEN in München.
2006 Ehrenpromotionen zum Dr. phil. h.c. durch die Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Universität Perugia. Im gleichen Jahr entsteht HEIMAT-FRAGMENTE, ein 145 Minuten langer Epilog zur HEIMAT-TRILOGIE, sowie ORTSWECHSEL, ein Multimedia-Projekt mit Live-Musik für die Musiktage Donaueschingen 2007. Das Frühwerk von Edgar Reitz erschien 2009 mit 6 Spielfilmen und 6 Experimentalfilmen als DVD-Edition sowie als Retrospektive in den Kinos.
Nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit, Recherche und Materialsammlung knüpft Edgar Reitz 2012 an HEIMAT an und dreht im Hunsrück die deutsch-französische Kino-Koproduktion DIE ANDERE HEIMAT, in der er eine Familiengeschichte im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Massenauswanderung aus Deutschland nach Nord- und Südamerika, erzählt.
Edgar Reitz ist Mitglied mehrerer Akademien wie der Akademie der Künste Berlin, der Europäischen Film-Akademie, der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Reitz wurde in der ganzen Welt mit Filmpreisen und Ehrungen ausgezeichnet und von verschiedenen Universitäten Europas ehrenpromoviert. Goldener Ehrenlöwe der Biennale di Venezia, sechs Bundesfilmpreise, vier Adolf-Grimme-Preise, Luchino-Visconti-Preis, Federico-Fellini-Award, Premio Opera d’Autore, Carl-Zuckmayer-Medaille, Staats-Kunstpreis Rheinland-Pfalz, Kultureller Ehrenpreis der Stadt München, Konrad-Wolf-Preis der Akademie der Künste, Deutscher Fernsehpreis, „Kulturgroschen“ des Deutschen Kulturrates u.v.a. 2006 erhielt er das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Edgar Reitz lebt mit seiner Frau, der Sängerin und Schauspielerin Salome Kammer, in München.